27.01.2015

Rede von Volkhard Böhm zur Eröffnung der Ausstellung am 15. Januar 2015: Unter Druck – Neue Radierungen des Graphik-Collegiums Berlin-Lichtenberg



Meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, vor allem aber liebe Mitglieder des Graphik-Collegiums Berlin-Lichtenberg!

Er war begeistert von seinen Radierungen. „Ich habe verschiedene seiner Druckgraphiken gesehen, die zu uns gelangt sind; sie sind sehr schön ausgeführt, mit großem Feingefühl und Sachverstand gestochen …“ so schreibt der italienische Barockmaler Guercino über Rembrandts Radierungen 1660 an Don Antonio Ruffo, einen sizilianischen Aristokraten und Kunstliebhaber.

Ja, man kann sich schon berauschen an der Sprache der einzelnen Möglichkeiten der vier klassischen Drucktechniken, an deren Schönheit, aber auch an deren Bescheidenheit die in der Sparsamkeit ihrer Mittel, beim Einsatz dieser Möglichkeiten liegt.

Im Tiefdruck ist die gestochene Linie des Kupferstichs, ob gleichmäßig oder an- und abschwellend, prägnant und nüchtern, die Linie mit der kalten Nadel wird samtig und weich, die geätzte Linie steht zwischen beiden und die diffizilen Stufen der Aquatinta bringen eine Art Farbigkeit ins Bild ohne jede Farbe.

Etwas Altehrwürdiges schwingt mit in den graphischen Blättern, allein schon durch die Wahl der Papiere vom Bütten mit Wasserzeichen und „gerissenem“ Rand bis zum strukturierten, durchscheinenden Japanpapier. Und immer wird noch mit der gleichen Technik mit den gleichen Werkzeugen gearbeitet und gedruckt, wie vor Hunderten von Jahren.

Ich habe sie erst spät entdeckt, diese Faszination der bedruckten Blätter. Aber dann sind sie mir wichtig geworden diese Papierstücke, sprechen sie doch nicht nur über Linie, Fläche und Form, ihre technische Ausführung und ihre Darstellung, ob nun figürlich oder gegenstandslos zu mir, sie erzählen auch von den Künstlern, die sie schufen. Viele dieser Blätter sind mir Wegbegleiter und gute Freunde geworden. Nur, ich bin nur Betrachter, ihr aber seit auch Schöpfer, also Künstler.

Im September 2004 habe ich nach über 20 Jahren die letzte Ausstellung in diesem Haus betreut. Aber auch danach war ich weiter mit dem Haus verbunden, was nicht wenig mit Euch, den heutigen Mitgliedern des Graphik-Collegiums, zu tun hat. Als ich dann 2010 aus dem „aktiven Dienst“ ausschied, wollte ich mich zwar weiter mit Ausstellungen da oder dort beschäftigen, aber ich wollte keine Ausstellungseröffnungen mehr „reden“, aus verschiedenen Gründen. Ganz habe ich das nicht geschafft, man läßt sich dann doch manchmal aus alter Verbundenheit „bequatschen“. Solch eine langjährige Verbundenheit gab auch den Ausschlag für die Zusage zur heutigen Eröffnung. Es war die Verbundenheit mit Stefan Friedemann, der anfragte, kenne ich ihn doch seit 1989, als ich seine erste Ausstellung hier im Haus betreute. Er ist damit das Graphik-Collegium-Mitglied, das ich am längsten kenne, aber andere fast genau solange.

Aus diesen Gründen möchte ich keinen Fachvortrag ausschließlich über Kunst und Künstler des Graphik-Collegiums halten, sondern mehr über unsere besondere Beziehung sprechen.

02.01.2015

Ausstellung "Unter Druck" - Neue Radierungen des Graphik-Collegiums




Wir laden alle zur Vernissage am 15. Januar 2015 im Studio Bildende Kunst ganz herzlich ein!


Mehr zu lesen unter: Kulturring e.V. Studio Bildende Kunst