05.07.2017

Ausstellung: GEMALT, GEZEICHNET, GEDRUCKT - Arbeiten von Horst Fiedler


Horst Fiedler, Steilküste bei Koserow (Ostseeinsel Usedom), Radierung, 2006


Am 3. Juli wäre das Gründungsmitglied unseres Vereins, unser langjähriger Grafik-Kollege und Freund, Horst Fiedler, 85 Jahre geworden. Ihm zu Ehren wird im Atelier des Studio Bildende Kunst eine kleine Auswahl seiner künstlerischen Arbeiten gezeigt, die wir gemeinsam mit der Familie zusammengestellt haben.

Ausstellung im Atelier des Studio Bildende Kunst vom 7. Juli bis 1. September 2017


Eröffnung am Donnerstag, dem 6. Juli 2017, um 19 Uhr 


Wir laden herzlich dazu ein.


Studio Bildende Kunst - Werkstattgalerie, John-Sieg-Straße 13, 10365 Berlin,
nahe S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee, Telefon 030 / 553 22 76
Öffnungszeiten: Montag - Donerstag: 10 - 20 Uhr, Freitag: 10 - 18 Uhr, Samstag: 14 - 18 Uhr

Für Horst Fiedler

von Stefan Friedemann

Wenn Horst Fiedler in die Druckwerkstatt kam und sein Skizzenbuch von der letzten Reise mitbrachte, haben wir uns oft zu einem Kaffee zusammengesetzt und gemeinsam seine Skizzen durchgeblättert, um etwas für eine neue druckgrafische Umsetzung auszuwählen.
Wichtig war ihm immer die Genauigkeit des festgehaltenen Augenblicks, in der er seiner Profession als Historiker treu blieb und auch im Zeichnen zum Chronisten seiner Reiseeindrücke wurde. Dabei fand er über die Detailfreudigkeit hinausgehend zur stimmungsvollen  Atmosphäre des Gesehenen. Gern erzählte er auch Einzelheiten zu den Situationen, die er gezeichnet hat. Oft haben wir gemeinsam geschmunzelt und gelacht, da war er voller Leben und Heiterkeit. Und so haben die Skizzen oft auch handschriftliche Hinweise auf den Ort oder die besondere Sehenswürdigkeit, der er sich mit dem Zeichenstift gewidmet hat.
Seine gezeichneten Figuren lebten in ihren Alltagstätigkeiten  und wurden mit liebevoller Achtung festgehalten – ein Schäfer mit seiner Herde, ein Angler oder ein Bäcker in seinem Laden in einem kleinen südländischen Dorf, der seine Fladenbrote anbot.
Als Zeichner fand er zu einer eigenen, stillen Poesie der sparsamen Bildsprache. Folgerichtig wurde auch die Grafik zu einer Technik, in der
diese Klarheit und Konzentration auf Wesentliches fortgesetzt werden konnten.
Die Linie mit ihren verschiedenen Möglichkeiten war dabei seine Stärke.  Strukturen, offene und dichte Liniengewebe, architektonische Formen und vegetative Dynamik im Dialog, Verästelungen und bewegte Flussläufe – all dies brachte seine Feder aufs Papier als Rhythmus und feinsinnige Verschmelzung  erlebter  Wirklichkeit.
In der Radierung dominiert daher die Strichätzung, mit der man  sehr vielseitige Qualitäten der linearen Gestaltung nutzen kann.  Das Dunkel eines Waldrandes, die Silhouette einer Baumkrone im Gegenlicht, Flussniederungen und von der Strömung umspieltes Ufergeröll – in diesen unspektakulären Naturerscheinungen konnte Horst Fiedler die Schönheit der leisen Ereignisse aufspüren und für uns bewahren.  Damit wird er uns als freundlich humorvoller Erzähler mit seinem verschmitzten Lächeln in liebevoller Erinnerung bleiben.








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