20.08.2017

Grafikausstellung Heidrun Sommer: "Momentaufnahmen"



Heidrun Sommer: Wartende I, Kaltnadelradierung, 2015



Vernissage, Montag, 21. August 2017, 17.00 Uhr 

im  Frauentreff Alt-Lichtenberg, Hagenstraße 57, 10365 Berlin 


1 Kommentar:

Volkhard Böhm hat gesagt…

Zur Ausstellung „Momentaufnahmen“ von Heidrun Sommer im Frauentreff Alt-Lichtenberg

In ihren Bildern regiert die Stille, eine Stille voller Melancholie. Die Menschen in Heidrun Sommers Graphiken, meist Frauen, Mädchen, Mütter, halten inne, als ob sie auf etwas warten, Vergangenem nachsinnen. Die sie umgebenden Interieurs passen dazu, in ihrer nüchternen, akkuraten Darstellung. Sind sie draußen, in der Natur, dominiert eine herbstliche Stimmung, zuweilen fast dramatisch zugespitzt. „Vergehen“, „Warten“, „Werden“, „Traurig“ oder „Abschied von der Kindheit“ titelt sie solche Bilder, die sie zurzeit in einem großen Raum und in einem Flur im Frauentreff in Lichtenberg zeigt.
Ihre Bildsprache lehnt sich in ihrer Vereinfachung in der Menschendarstellung und den bis ins ornamentale reichenden Interieurs und Hintergründen, in denen diese eingebettet sind, an die Darstellungsweise der Naiven Kunst an. Aber auch Stilelemente des Jugendstils und des Symbolismus wirkten anregend. Deutlich wird das in solchen Blättern, wie „Verborgenheit“ oder „Im Zaubergarten“. Hier führt die Bildsprache Heidrun Sommers bis ins Märchenhafte, Phantastische. Unterstützt wird das durch Tierdarstellungen, die in manchen ihrer Bilder auftauchen. Die hockende Katze, ein ambivalentes Symboltier, hat in den Kulturen sowohl eine positive wie eine negative Bedeutung und ist positiv besetzt im Haustier, negativ als schwarze Katze im Aberglauben, die Vögel aber, wenn dann meist im Schwarm auffliegend, die Stille der Bilder kontrastierend, sind Mittler zwischen Himmel und Erde, Verkörperung des Immateriellen, der Seele.
Heidrun Sommers nachdenkliche, grüblerische Bilder bestechen in ihrer einfachen, direkten Bildsprache.
Volkhard Böhm