Ekkehard Bartsch


Ekkehard Bartsch: Mallorca, Strichätzung, Aquatinta, 2010
Ekkehard Bartsch: Mallorca, 2010


Ekkehard Bartsch: Angler an der Oder, Strichätzung, Aquatinta, 2007
Ekkehard Bartsch: Angler an der Oder, 2007



Ekkehard Bartsch: Loose Oderbruch, Strichätzung,Aquatinta
Ekkehard Bartsch: Loose/Oderbruch


Ekkehard Bartsch: Kloster  Neuzelle, Strichätzung,Aquatinta
Ekkehard Bartsch: Kloster  Neuzelle

Ekkehard Bartsch, Edinburg, 2006
Ekkehard Bartsch, Edinburg, 2006



Ekkehard Bartsch: Alte Werft Bergen/Norwegen, Strichätzung, Aquatinta,2004
Ekkehard Bartsch: Alte Werft Bergen/Norwegen, 2004



Ekkhard Bartsch: Panzano, Radierung coloriert, 2002
Ekkhard Bartsch: Panzano, 2002






Ekkhard Bartsch: Schloss Wulkow, Radierung, 2000
Ekkhard Bartsch: Schloss Wulkow, 2000







Geboren 1934 in Berlin-Karlshorst
Möbeltischler und Industrie-Formgestalter
1960 Diplom an der Kunsthochschule Berlin
Praktisch-gestalterische, theoretische und anleitende Aufgaben
Ab 1990 Hinwendung zu Malerei und Grafik
Kurse und Workshops bei Elena Olsen und Stefan Friedemann
Lebt in Berlin


Ekkehard Bartsch zu seiner Ausstellung: Merkwürdige Ansichten


Meine Damen und Herren, liebe Freunde,
daß Fotografie die Wirklichkeit abbildet, gehört zu den großen Missverständnissen. „Wie alle Kunst kreiert die Fotografie ihre eigene Wirklichkeit“ hat, glaube ich, David Hockney gesagt.
Ich will ein paar einführende Worte zu den 25 Bildern hier sagen, um dadurch vielleicht das Vergnügen des Betrachtens und Erkennens zu erhöhen.
Was sind das für Ansichten, werden Sie sich gefragt haben, die auch noch mit dem doppeldeutigen Begriff „merkwürdig“ gekoppelt (collagiert) wurden. Es sind, wie Sie sehen, vor allem Ansichten von Städten und Landschaften, aber auch einige figürliche Bilder. Sie sind in der Tat etwas merkwürdig, und zwar sowohl im Sinne von bemerkenswert ( des Merkens würdig ) als auch so viel wie ungewohnt, seltsam, vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick verständlich.
Und das Wort „ Ansichten“ hat auch noch eine zweite Bedeutung, insofern als hier die Ansichten von jemandem mit künstlerischen Mitteln zum Ausdruck gebracht wurden.
Ich sage Ihnen jetzt, wie ich zu diesen Bildern gekommen bin. In den 50er Jahren habe ich an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst studiert. Meine Lehrer waren unter Anderen die Maler und Grafiker Ernst Vogenauer und Arno Mohr sowie der Fotograf Arno Fischer, dessen Arbeiten in der Berlinischen Galerie zu sehen sind. Mein Diplom habe ich als Industrieformgestalter erhalten und auf diesem Gebiet in verschiedenen Einrichtungen gearbeitet. Ich fand in dieser Zeit ganz selten Gelegenheit, mich neben meiner beruflichen Arbeit noch intensiv mit Malen und Zeichnen zu befassen. Erst zu Beginn des sogenannten Ruhestandes konnte ich fortsetzen, was ich viele Jahre zuvor künstlerisch begonnen hatte. Nun bin ich beim Maler und Grafiker Stefan Friedemann in einem ungemein anregenden Grafik-Kollegium in Lichtenberg intensiv tätig.
In all den Jahren war aber die Fotografie mein Hobby. Es begann schon 1947 mit einer alten Balgenkamera und ich lernte, wie man entwickelt und vergrößert. Als später DIA- Filme angeboten wurden, habe ich mich auf dieses Gebiet konzentriert. Die Motive fand ich neben der Familie auf den Urlaubs-und Dienstreisen in Städten und Landschaften.
Wir kommen gleich zu den Bildern dieser Ausstellung. Gestatten Sie mir zunächst noch ein paar Worte zu dem Thema  „Collage“.  Das ist, sobald man sich damit beschäftigt, ein wirklich sehr weites Feld. Das reicht sogar bis zu Pina Bauschs so genannten „Ballett-Collagen“. Ich beschränke mich deshalb auf wenige Bereiche der Bildenden Kunst und der Fotografie. Das Wort kommt ja bekanntlich aus dem Französischen. Coller heißt kleben oder leimen. Die neuere Kunstgeschichte kennt die Papiers colles von Georges Braque, Juan Gris und Pablo Picasso. Diese und viele Künstler nach ihnen verwendeten Papierschnipsel, Tapetenreste, Fahrkarten und andere Materialien, die sie auf Leinwände klebten und in ihre Malerei integrierten. Später entdeckten die Dadaisten diese Möglichkeit, eigentlich nicht zusammengehörende Dinge zu kombinieren und auf diese Weise provokante, verwirrende und witzige Bilder zu schaffen. Hanna Höch z.B. war eine solche Avantgardistin, deren Werke z.T. in der Berlinischen Galerie zu sehen sind. Sie zerschnitt Fotos und brachte die einzelnen Teile in neue, überraschende Zusammenhänge. Man muß auch unbedingt Max Ernst nennen, den französischen Maler und Bildhauer deutscher Herkunft. Er hat in seinen „Collage-Romanen“ Illustrationen aus alten Zeitschriften, das waren meist Kupferdrucke mit den typischen parallelen Strichlagen, zerschnitten und daraus herrliche fantastische Bilder zusammengestellt. In diesen fallen junge Damen in Ohnmacht und seriöse Herren in Zylinder und Backenbärten winken untergehenden Schiffen nach usw. Noch einen Namen muß ich nennen : John Heartfield, ein deutscher Grafiker, der vor den Nazis emigrieren mußte, und in England die Technik der Fotocollage für seine politischen Illustrationen und Plakate einsetzte. Eines seiner Plakate zeigt z.B. Hitler mit seiner typischen Grußhand, in die das Großkapital ein Bündel Banknoten legt. Der Titel lautet : Millionen stehen hinter mir. In den folgenden Jahren wurden immer mehr Möglichkeiten erschlossen, z.B. die Collage von Foto-Negativen, auf denen man keine Schnitt-Kanten mehr sah und anderes mehr. Zwei jüngste Beispiele will ich noch schnell nennen: Der Grafiker Heribert Bücking zeigt am 27. Und 28. Oktober in seinem Atelier in Moabit Kupferstich-Collagen und ich habe vor wenigen Tagen ein Buch der Nobelpreisträgerin Herta Müller gekauft mit dem merkwürdigen Titel „Vater telefoniert mit den Fliegen“. Das sind Gedichte, die aus aufgeklebten Wörtern bestehen, die sie aus Zeitschriften ausgeschnitten hat.
Dieses Grundprinzip der Collage finden Sie auch in den Bildern hier, wenn auch kein Leim verwendet wurde. Ich hatte ja erwähnt, daß ich mich mit der Dia- Fotografie befasst habe. Wie bei vielen anderen Amateuren sammelten sich bei mir in den Kartons  diejenigen DIAS, die zunächst, aus unterschiedlichen Gründen, ausgesondert worden waren. Aus diesem Reservoir nun entstanden vor einigen Jahren die ersten Bilder, und zwar durch einfaches Übereinanderlegen von zwei DIAS. Allerdings gab es dabei zwei elementare Einschränkungen. Die beiden DIAS durften nicht den Bruchteil eines Millimeters gegeneinander verschoben werden, sonst wären sofort die Ränder ins Bild gerutscht. Es blieben nur 2 Möglichkeiten: Ein DIA auf den Kopf stellen  und seitenverkehrt  auflegen. Mehr kann man nicht machen. Und damit beschränken sich natürlich erheblich die gestalterischen Freiräume. Außerdem müssen die beiden DIAS heller als normal sein, weil ja die Farben sich gegenseitig verdunkeln. Nun, das sind die äußeren, die technischen Bedingungen. Die eigentliche, nennen wir es ruhig künstlerische Herausforderung bestand und besteht darin, mit den Bildern eine Aussage zu erreichen, die in irgendeiner Weise für die Betrachter interessant ist.
Es ist in der Tat ein Glücksfall, wenn beim kritischen Durchsehen des Materials eine neue Idee entsteht, vielleicht ein erzählerisches Element, bei dem die Betrachter fragen: „Hey, was  ist denn hier los?“ Manches  Bild mag wie ein Bilderrätsel erscheinen, ein anderes wie ein Traumbild, etwas Magisches durch zwei gegenläufige Perspektivlinien verwirrend, manchmal bedrohlich, aber immer mit dem Anspruch, ein Bildganzes, in sich stimmig zu sein.
Ich möchte ganz zum Schluß noch auf eine grundsätzliche Besonderheit dieser Bilder hinweisen. Es ist ja, wie Sie wissen, technisch alles möglich, um ein Bild zu kreieren. Man braucht nur einen Computer und ein entsprechendes Programm (Fotoshop o.ä.).  Die Bilder hier sind nicht digital hergestellt. Sie gründen sich eigentlich nur auf einen Zufall. Dieser ist allerdings gewissermaßen „domestiziert“ worden, kontrolliert und einer strengen Prüfung unterzogen worden. Mit großer Geduld und Ausdauer, aber auch mit einem entwickelten Sinn für Form und Inhalt. Den Computer und ein Bildbearbeitungsprogramm zu benutzen, das erschiene mir irgendwie unehrlich.
Zu den Bildtiteln noch ein Wort. Man könnte sich zu dem einen oder anderen Bild schöne, fantasievolle Titel denken. Ich wollte aber, obwohl es mich gereizt hat, die Assoziationen und Interpretationen der Betrachtenden nicht in eine bestimmte Richtung lenken. Deshalb diese spröden, trockenen Titel.
Sie können sich ja Ihren eigenen Reim darauf machen.